L' eau et vous
Künstlerische Konzeption
USUS Landscape Architecture
2019


Lausanne Jardins 2018


Projektteam

USUS Landschaftsarchitektur AG, Zurich : Johannes Heine, Landschaftsarchitekt (DE) , Nicole la Hausse de Lalouvière, Architektin (MU), Ramon Subirá i Calmet, Architektin (CAT), Jana König, Landschaftsarchitektin (AT)

DOSCRE Donet Schäfer Reimer Architekten GmbH, Zurich: Pablo Donet, architecte (DE) , Tim Schäfer, Architekt (DE), Barbara Marie Hofmann, Autorin, Vermittlerin, Künstlerin (DE)


PartnerInnen und Realisierung

Brunner-Anliker, Jaunin Génie Civil SA, COFAL sanitaire, Kummler&Matter, Le paveur, Festival Annecy Paysage


Eine Begegnung

Ein früher Nachmittag in Lausanne. Ich komme woher und gehe wohin. Ich habe nicht viel Zeit. Um mich herum sind viele Menschen und Autos, alle in Eile, genau wie ich. Unter meinen Füßen sehe ich den grauen Asphalt dahinhuschen. Ich stehe an der Kreuzung, die Geräusche der Stadt umgeben mich, aber ich höre sie gar nicht wirklich. Ich denke an meine Arbeit und an Gestern und an Morgen, ich fühle mich in Eile und beachte niemanden um mich herum. Ich bin ein wenig gestresst und möchte nur bald ankommen. Dann endlich springt die Ampel auf Rot und ich mache mich schon bereit, um schnell die Straße zu überqueren.

Aber plötzlich bleibe ich stehen. Denn vor mich bricht aus dem Boden der Stadt eine Fontäne von Wasser. Ein durchsichtiger Strahl erhebt sich weit in den Himmel und schafft sich Raum inmitten der Kreuzung. Ich blicke nach oben. Am Ende der Fontäne teilt sich der Wasserstrahl und perlt ab, wie einer Kette aus glitzerndem Glas regnet es nach unten. Es rauscht, es tröpfelt. Mein Blick ist weit offen. „Die Wolken ziehen ganz langsam.“, denke ich. Und ich habe das Gefühl unter dem Schutz des Wassers direkt über die Kreuzung laufen zu können, in diesem kurzen Moment des Unerwarteten. Meine Augen folgen dem Weg des Wassers und ich blicke nach unten. Auf dem nassen Asphalt kann ich jetzt Worte lesen: „Lass dich berühren, vom Wasser und vom Wind.“ steht dort. Ganz leicht spüre ich den Nebel des Wassers auf meiner Haut und ich traue mich, tief einzuatmen, und rieche die Luft um mich herum, die nun eine Spur von Klarheit in sich trägt. Ich stehe mit meinen Füssen fest auf dem Boden dieser Stadt und ganz kurz denke ich, dass ich hier und jetzt am richtigen Platz bin. Und dann endet es plötzlich, das Schauspiel ist vorüber, ich blinzle. Das Wasser ist verschwunden, doch nicht ohne seine Spuren zu hinterlassen.

Kurz ist es noch still, dann schaltet die Ampel wieder auf Grün und die Autos fahren an. Die bekannten Geräusche des Verkehrs kehren zurück, ich aber stehe noch hier und habe die Strasse nicht überquert. Ich schaue nach links und rechts. Um mich herum sehe ich verwunderte Blicke. „Auch sie haben es gesehen.“, denke ich. Auch sie wurden berührt vom Wasser und vom Wind. Ich fühle mich unerwartet frei, für mich alleine lebendig und doch auch verbunden mit all den Fremden, die mich umgeben, hier auf dieser Kreuzung. 30 kurze Sekunden und doch hat sich etwas in mir verändert. Ich setze meinen Weg fort meinen Weg fort. In mir höre noch immer das Rauschen des Wassers und ich lächle leise. Ich glaube, heute ist ein schöner Tag. „Was er wohl noch bringen mag“, denke ich.

Barbara Marie Hofmann, 2017

Bilder: ©LJ19/Stéphanie Gygax