„Der laute Schrei der Stille“: Zu Meinrad Schades „Krieg ohne Krieg“
Ausstellungstext
Kunstraum Kreuzlingen
2017

Der laute Schrei der Stille

Meinrad Schades Fotografien zeigen das Leben derer, die überlebt haben. Seit mehr als zehn Jahren bereist Schade mit seiner Kamera Krisengebiete im heutigen Russland, in Staaten der ehemaligen Sowjetunion oder in Israel und dem Westjordanland.

In eindrücklichen und klaren Bildern legt er offen, wie Land und Bevölkerung nach dem Ende der Kriege weiterleben und in den einstigen Schauplätzen von Tod und Zerstörung zum Alltag zurückkehren. Eine Normalität des Schreckens wird dabei sichtbar, die in ihrer grotesken Erscheinung an eine Inszenierung erinnern möchte; doch wird schnell und schmerzhaft klar, dass Schade zeigt, was ist, was war und was werden wird. Die von ihm dokumentierten Menschen, Orte und Landschaften scheinen sich in einem Vakuum an Zeit zu befinden: In einem Zwischenraum von Gestern und Heute, in dem zuletzt das Ende des einen Krieges nur das Warten auf den nächsten bedeutet.

Schades Motive machen deutlich, wie ähnlich sich die Schicksale derer sind, die mit Krieg und Zerstörung leben und warum gerade in diesen fragilen Zwischenräumen eine Faszination dafür weiterlebt. Meinrad Schades Fotografien besitzen eine Eindrücklichkeit und Schlagkraft, die der eines lauten Schreis in einer lange verlassenen Landschaft gleicht. Es ist ein Schrei inmitten einer trügerischen Stille, der vom Ausbleiben der Hoffnung erzählt.

Barbara Marie Hofmann, 2017


www.meinradschade.ch

Fotos: © Kunstraum Kreuzlingen


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